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"Es dat nit herrlich?" - fragte Willibert Pauels...
05.06.2007

Willibert Pauels und Jürgen Beckers im Kur-Theater

Fotografien freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ingo Teusch

... bei seinem Doppelgastspiel im Kur-Theater Hennef, und die Gäste im jeweils ausverkauften Theatersaal beantworteten diese Frage mit einem begeisterten „Joh, et es herrlich, wie Du uns de Kersch un d'r Fasteleer erklärss un uns zem Laache un zem Kriesche kriss“.

Wie bei seinem ersten Besuch im vergangenen Jahr bewies der Diaclown auch dieses Mal, daß er es wie kein zweiter versteht, seine Gäste zum Lachen zu bringen, ihnen aber auch die Gelegenheit gibt, neue Positionen zu verschiedenen Themen einzunehmen und sich andere Blickwinkel zu erschließen.

Man spürt bei jedem Satz, wieviel menschliche Wärme der liebe Gott diesem Menschen mitgegeben hat. Dies zeigte sich nicht zuletzt, als er dem Publikum seinen Überraschungsgast präsentierte: Den Shooting-Star des Rheinischen Karnevals – Jürgen Beckers. Der unüberhörbar in Aachen geborene Jürgen Beckers erklärte das Leben im Rheinland und ließ den Gästen über 20 Minuten kaum Gelegenheit zum Luftholen, die Luftfeuchtigkeit im Saal stieg binnen weniger Minuten durch die Lachtränen- flüssigkeit um 50 %.

Wer das Pech hatte, ihn zu versäumen, erhält hier eine kleine Kostprobe: Was ist ein Teilchen? Im Rest der Republik Stück eines ganzen Teiles. Nicht hier im Rheinland. Da ist ein Teilchen etwas für einen Gast, für den ein Stück Kuchen zu wertvoll ist und ein Plätzchen zu kniepig. So schön ist das noch nie erklärt worden.

Die Theatergäste waren an beiden Tagen nach dem Auftritt von Jürgen Beckers begeistert und wir folgen dem Wunsch und werden ihn für einen Soloabend verpflichten !!!! Nach dem furiosen Auftritt seines Gastes (ich frage an dieser Stelle, welcher Star aus dem Karneval einem anderen Künstler – also einem Konkurrenten – solch eine Gelegenheit gegeben hätte?? ) erklärte Willibert u.a. noch den Unterschied zwischen Katholiken und Evangelischen (Katholische Gebiete erkennt man an der Menge der Kneipen, in der Nähe einer Kirche ist IMMER auch mindestens eine davon) und erzählte eine wahre Geschichte: Er war mit einer Gruppe von Freunden an der Nahe unterwegs und sollte im Dom-Radio seine samstägliche „Predigt“ halten, dies ging durch die Entfernung nur per Mobiltelefon. Die Pauels-Gruppe befand sich in einer Burgruine mit Blick auf die Nahe. Diese Ruine wurde gerade in dem Moment, in dem Willibert per Telefon auf Sendung ging, von einer weiteren Gruppe besucht, offensichtlich ein Lehrer mit Schülern. Willibert erzählte dann seinen Radiohörern inmitten der Schülergruppe, daß er in einer Burgruine stehe, auf die Nahe schaue und erklärte den Unterschied der beiden Religionen anhand der Kneipentheorie. Da fiel ihm spontan das Lied seines Freundes Jürgen Becker ein und er sang es aus voller Brust und mit tänzerischer Einlage: „Isch bin so froh, daß ich nicht evangelisch bin ...“. In voller Länge, umgeben von der Schülergruppe mit Lehrer!!! Nach dem Ende der „Live-Übertragung nach Köln“ sprach dann unser Diakon den Lehrer an und meinte, das wäre ja schön, daß er mit seinen Schülern so eine wundervolle Burgruine oberhalb der Nahe besichtige. Antwort: „ Das sind nicht meine Schüler. Ich bin auch kein Lehrer. Ich bin evangelischer Pfarrer und das sind meine Konfirmanten !!!“ Paaf – dat hat gesessen.

Wollen wir hoffen, daß der evangelische Pfarrer genau so viel Humor hat wie ein katholischer Diakon und daß alle Menschen wenigstens etwas Humor haben und das Lachen im Alltag nicht vergessen, dann geht es uns allen ein großes Stück besser. Tausend Dank noch einmal an Willibert Pauels und an Jürgen Beckers, wir freuen uns, beide wieder im Kur-Theater Hennef zu Gast zu haben – für sie steht unsere Tür jederzeit ganz weit offen.

Text: Rita Dörper-Link